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(Kommentare: 2)

Pneus machen Lärm
Martin Looser, Rechtsanwalt, Vize-Präsident

Martin Looser

ist Umweltanwalt und Vizepräsident der Lärmliga. Er geht oft zu Fuss durch die halbe Stadt, und wenn nicht, fährt er Elektroauto oder Velo.

Warum eigentlich Tempo 30?

Wollen wir Autofahrer·innen quälen, wenn wir Tempo 30 fordern? Darum geht es nicht. Temporeduktionen sind einfach die effizienteste und technisch einfachste Lärmschutzmassnahme. Wenn statt 50 nur 30 Stundenkilometer schnell gefahren wird, reduziert sich der Autolärm in der Wahrnehmung der Menschen, die an der Strasse leben, so stark, als ob nur halb so viele Autos verkehrten. Den wenigsten ist aber bewusst, dass Tempo 30 Lärmschutz ist. Es braucht bessere Information seitens der Behörden. Warum nicht unter jede Tempo 30-Tafel ein kleines Schild «Lärmschutz» montieren, wie es Deutschland praktiziert?

Denn das Reifengeräusch macht's

Was viele nicht wissen: Ab einer Geschwindigkeit von etwa 25 Stundenkilometern dominiert das Rollgeräusch der Reifen auf dem Strassenbelag. Der Lärm des Motors tritt in den Hintergrund – ausser dieser sei hochgetunt wie bei einem Sportwagen, oder der Fahrer habe eine so genannte Auspuffklappe geöffnet, was beides übermässig lärmt und verboten gehört. Es kommt nun darauf an, wie schwer das Auto ist, wie breit in der Folge die Pneus sind und wieviel Reifenlärm das Auto erzeugt: Ein wuchtiger SUV viel mehr als ein kleines, leichtes Autöli. Spitzen Sie die Ohren und achten Sie mal auf die Unterschiede!

Tempo 30 und lärmarme Strassenbeläge setzen an der Lärmquelle an

Das Umweltschutzgesetz schreibt vor, dass die Strassenbesitzer die Anwohnenden vor übermässigem Lärm zu schützen haben. Und zwar mit Massnahmen, die bereits die Entstehung des Lärms möglichst vermeiden, also an der Quelle: beim Motor, bei den Reifen, beim Belag. Nun zögern aber das Astra, viele Kantone und Gemeinden seit dreissig Jahren, wirksame Massnahmen umzusetzen, vor allem auf den Hauptstrassen. Lärmarme Beläge sind etwas teurer beim Bau und im Unterhalt als konventionelle. Verursacher von störenden Motorengeheul zu erwischen ist anscheinend aufwändig, Auspuffklappen zu verbieten bisher politisch nicht mehrheitsfähig.

Und Tempo 30?

Planen Gemeinden und Städte Temporeduktionen aus Lärmschutzgründen, ist regelmässig mit Widerstand zu rechnen. Vor allem Autoverbände stellen sich auf die Hinterräder und befahren den Rechtsweg. Doch alle Gerichte anerkennen Temporeduktionen inzwischen als Massnahme, die ernsthaft geprüft werden muss: so geschehen an der Grabenstrasse in Zug, an der Sevogelstrasse in Basel, an der Seestrasse in Stäfa und an zahlreichen anderen Orten. Lausanne und der Kanton Waadt werden das ganze Stadtgebiet während der Nacht mit dreissig fahren lassen.

Viele gute Gründe

Lärmschutz ist das eine. Es sprechen selbstverständlich noch andere gute Gründe dafür, den Strassenverkehr zu beruhigen: Aufenthalts­qualität, Sicherheits- und Klimaschutz. Wir von der Lärmliga setzen uns primär für den Lärmschutz der Bevölkerung ein, weil übermässiger Lärm deren Gesundheit gefährdet. Vielleicht werden irgendwann in der Zukunft die Fahrzeuge effektiv leiser verkehren – wir können nur hoffen. Im Moment weisen alle Trends in die Gegenrichtung. Autokäufer·innen setzen auf immer schwerere Karren und fahren immer häufiger und weiter damit. So produzieren sie immer mehr Lärm – und auch CO2. Womit wir bei der Klimakrise wären und erkennen: Lärmschutz und Klimaschutz sind zwei Seiten derselben Medaille. Wollen Sie also nicht nur grün wählen, sondern auch grün fahren? Dann bitte möglichst wenig und möglichst leicht.

Diskutieren Sie mit? Was meinen Sie zu unserem Blogbeitrag? Was halten Sie von Tempo 30 aus Gründen des Lärmschutzes?

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Kommentar von cilmi |

50 fahren im 3.gang und 30 fahren im 2.gang beides bei ca.2000-2500 umdrehung/min. sehr grosser underschiet

Kommentar von Peter Ettler |

Natürlich stimmt es, dass eine Vorbeifahrt im 2. Gang lauter ist als eine solche im 3. Gang. Aber die Mehrheit der Autofahrer verwendet im T30-Bereich bereits ab 15 km/h den dritten Gang. Die Minderheit, die lärmig fährt, kommt dagegen nicht auf (vgl. http://www.cerclebruit.ch/?inc=s_vreduktion&lang=de).

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