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Pneus machen Lärm
Thomas Graf, Kommunikationsberater

Thomas Graf

ist Kommunikationsberater und leitet die Geschäftsstelle der Lärmliga.


Er fährt Rad, Zug, Bus, Tram, Schiff, hin und wieder ein Mobility- oder Mietauto und findet tägliches Autofahren pure Verschwendung von Lebenszeit.

Leise düselt das E?

Reden wir über die Elektromobilität. Sie ist zurzeit als Allerweltsproblemlösung für einen der grossen Verursacher der Klimakrise aus CO2-Sicht in vieler Leute Munde – gern auch in den Reden eloquenter Politiker·innen.

Fakt ist: Der Strassenverkehr ist für den vom Menschen verursachten Klimawandel eines der grösseren Probleme. Die Verbrennungsmotoren blasen viel Kohlendioxid aus ihren Rohren – und die Herstellung der Fahrzeuge hilft auch nicht gerade, verbrät sie doch Unmengen an Energie, die anderswo klüger zum Einsatz käme.

Doch die Trends bei den Automodellen rasen unbekümmert in diametral entgegengesetzter Richtung statt in einer, die innert nützlicher Frist die Klimaerwärmung stoppen hülfe. Die Industrie baut unbekümmert immer grössere und schwerere Autos. Die Importeure importieren diese munter, auf dass die Kassen klingeln. Und die Autokäufer·innen kaufen oder leasen mittlerweile häufiger den protzigen SUV, den hochhackigen Offroader oder überdimensionierten Familien-Van als je. Sogar hippe Stadtbärte gelangen ohne ihr dieselrauchendes Wüstenfahrzeug nicht von der Stadtwohnung hinter ihren Laptop im Coworking Space um die Ecke. Den Spritverbrauch senken oder die Umweltbilanz verbessern? Sollen die anderen. Zudem: Noch immer sitzt jede und jeder meist einsam in seinem Riesenmobil. Klimawandel? Man solle bitte nicht so düster in die Zukunft blicken.

Alles kommt gut, weil elektromobil?

Elektroautos sollen jetzt also als Lösung her. Nur baut die Industrie auch diese – bis auf kleine Ausnahmen – protzig, damit repräsentativ. Der Kunde wolle es so. Schliesslich gilt etwas, was schwer wiegt – oder wer. Was für ein Unfug, welche Verschwendung! Smarte Mobilität ginge anders. Die Elektro-Elefanten müssten sich in agile E-Gazellen umwandeln lassen, die mit wenig Energie leise laufen und weite Sprünge tun. Stellen wir uns vor: Dann könnten Autofahrer, statt mit ihrem tonnenschweren Testosteronersatz zu prahlen, beim Cüpli die Eleganz ihres smarten Flitzers und ihre eigene Cleverness preisen. Und: «Parkplatzsuche?» «Keine Spur! Meiner passt in die kleinste Lücke.»

Elektroleise?

Zum Autolärm. Er ist eine schädliche Plage für all jene, die nah an einer lauten Strasse wohnen. Das sind viele. Weit über eine Million Menschen fahren ein hohes Risiko, krank zu werden. Herz- und Kreislaufprobleme, Diabetes, Schlafstörungen und möglicherweise sogar Krebs können auftreten beim permanenten Dröhnen, Jaulen, Rauschen und Heulen draussen vor der Tür. Fahren die Lenker·innen über 30 Kilometer pro Stunde mit schweren Autos, bringt auch der Elektromotor nichts. Denn alles über Tempo 30 fährt lärmig. Der Reifen macht's – je breiter, desto lauter. Doch das scheint keinen zu kümmern ausser eine Handvoll Expert·inn·en. Und die Lärmbetroffenen natürlich.

Diskutieren Sie mit? Was meinen Sie zu unserem Blogbeitrag? Was denken Sie über SUVs, Offroaders und coole Reisebüsschen, möglichst Occasion und mit grossem Dieseldurst?

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