Leiser_Blog

(Kommentare: 5)

Strassenlärm
Dr. iur. Peter Ettler, Rechtsanwalt, Präsident Lärmliga

Dr. iur. Peter Ettler,
Rechtsanwalt,
ehemaliger Präsident Lärmliga

Lärmskandal im Schatten des Abgasskandals

Ein klassischer Irrtum der Lärmdebatte lautet: Heute sind Autos leiser als früher. Das gilt leider nur für den Innenraum. Weniger Fortschritte wurden bei Lärmemissionen nach Aussen gemacht. Mit Blick auf viele schwere und/oder sportliche Fahrzeuge trifft sogar das Gegenteil zu: Sie werden unnötig künstlich lauter gemacht. Das hat mit einem skandalträchtigen Prüfzyklus zu tun: Die Grenzwerte für Autolärm der EU lassen weiterhin Lärmspitzen von 100 und mehr Dezibel zu.

Es gibt viele Motorsport-Aficionados, die in Kommentaren zu unserer Petition «Stopp den Lärmposern» ihre Freude am Geräusch ihrer Fahrzeuge kundtun. Manchmal kommt das ungefiltert und aggressiv daher. Manchmal auch besorgt. Diese Ehrlichkeit freut mich. Denn das schafft Möglichkeiten für gesellschaftliche und politische Diskussionen.

Es gibt aber auch andere, die so tun, als sei das Lärmproblem gelöst, weil die Vorschriften strenger geworden und neue Fahrzeuge so leise seien. Das stimmt nicht. Zwar wurden die im Prüfzyklus einzuhaltenden Grenzwerte in den letzten Jahren gesenkt. Aber ausserhalb des Prüfzyklus, d.h. generell unter 20 oder über 50 km/h, sowie wenn der Prüfzyklus nicht erkannt oder übersteuert wird, darf es röhren und knallen: Auspuffklappen offen und/oder elektronische Soundverstärker in Aktion. Die Parallele zum Abgasskandal liegt auf der Hand: Dort trickste die Fahrzeugindustrie illegal. Beim Lärm schaffte sie es, in die Prüfnormen Löcher einzubauen wie in einem schönen Emmentalerkäse und musste nicht in die Illegalität ausweichen. In beiden Fällen sind sich Autolenker meistens nicht bewusst, dass sie Schaden anrichten.

Als ob dieser Skandal, der nicht die Menschen vor dem gesundheitsschädlichen Lärm schützt, sondern viel mehr den lautstarken Lärm selber befeuert, nicht genügen würde: Ganz unverdächtig sind in Autorubriken und harmlos genannten «Mobilitätsbeilagen» etablierter Medien Sätze zu lesen wie «Der Klang der Abgasanlage ist schlicht beeindruckend, kann aber sozialverträglich im Zaum galten werden». Bloss: Welcher «sportlich orientierte Familienvater» hält den Sound im Zaum, wenn er eine solche Anlage hat?

Erlaubt sind die besonders Lauten zwar nach wie vor. Allerdings: Das Strassenverkehrsgesetz verpflichtet den Fahrzeugführer, jede vermeidbare Belästigung von Strassenbenützern und Anwohnern durch Lärm zu unterlassen. Zu blöd also, wer eine legal laute Maschine gekauft hat, es ihm aber nicht erlaubt ist, die Maschine dröhnen zu lassen, sofern er das beeinflussen kann. Doch wen interessiert das? Die Leidtragenden sind derzeit die Belärmten, weil der Polizei Instrumente und Mittel für die Kontrollen fehlen. Genau hier setzt unsere Petition «Stopp den Lärmposern» an.

 

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Kommentar von B. Bruderee |

Ich Stehe für ne Kleine Tuning gruppe, die sher daran ist alles Komform und legal zu halten auch beim tema Auspuffanlagen. Ich spreche hir aus meiner persöndöicher erfahrung, und sage ganz klar das die Polizei bei 90% nicht im der lage ist die gesetzliche gegeben heiten zu wissen und das um zusetzen. Aus diser missäre hatte ich letztes jahr aleine 4 strafrechtliche anzeige bekommen. Mit dem eegebnis das jedes einzelne mal freispruch bekommen habe, da ich alles gesetzlich konform bin. Wen die DTC und die MFK jedesmal alles io finden an der anlage sollte die Polizei auch keine handhabung hanem zu messen. Lieber wäre es auf noch bessere gesetzliche schulung. Ander seite dee Medalien haben leute Wie wir extrem Mühe mit den Klappen auspuff anlagen der "modernen" wagen und die posser die sich daraus entwickelt öt haben..... Die ruiniren unseren kult in ganzen den wir von unseren Fätern und müttern in die wige bekommen haben und die widerum von ihrern eltern usw. Solange die farzeuge technisch so weit entwickelt sind desto einfacher ist die iöegale manipulation tion des KFZ was gefühlt auch von der audo industrie gewollt ist. Ich wäre dafür das die Liga hir sich mit dem tema tiefgründiger auseinadersetzen würde
Oltimer, tuner liebhaber wagen.
Zum schluss möchte ich noch sagen.wie ich persöndlich das hand habe mit meinem nicht norm lauten fahrzeug

"Mit einem leissen wagen lautfahren ist einfach. Mit einem lautten auto leisse fahre das ist fahrzeug behersgung"

Kommentar von Peter Ettler |

Lieber Herr Bruderer
Mir gefällt ihr Slogan "Mit einem leisen Wagen laut Fahren ist einfach. Mit einem lauten Auto leise fahren, das ist Fahrzeugbeherrschung". Genau da wollen wir hin mit unserer Petition: Innerorts das Fahrzeug beherrschen: Keine Auspuffklappen- oder Knall-Trickli mehr. Darum verlangen wir an allen Lärm exponierten Orten eine Lärmobergrenze von 81 dB. Das ist soviel, wie die Fahrzeugindustrie und ihre Lobbyisten in der UNECE in Genf und in der EU und beim ASTRA als Lärmobergrenze vortäuschen - und verheimlichen, dass sie nur im Prüfzyklus gilt. Aber die Oldtimer? fragen Sie besorgt. An die haben wir in unserer Petition gedacht: Erstens sollen die 81 dB nicht am Auspuff gelten, sondern in 7,5 m Distanz, genau wie beim Prüfzyklus. Da liegen am Auspuff nach unseren Berechnungen etwa 95 dB drin (die Tiroler-Grenze für das Standgeräusch). Zweitens kann man Oldtimern, die doch zu laut sind, mit einer Ausnahmebewilligung entgegenkommen. Steht alles in der Begründung unserer Petition. Auch für uns sind nicht die Oldtimer das Problem, sondern die aus Verkaufsgründen von der Fahrzeugindustrie aufgemozten und mit 0.9% und weniger verleasten Sportwagen, SUV und Bikes, die sich jedes Bubi leisten kann.
Ich wünsche Ihnen beherrschte Fahrt!

Kommentar von Bernhard Klein |

Es ist leider die Wahrheit, dass die Geräusch-Gesetzgebung mehr Löcher hat als Substanz. Natürlich ist es Absicht, nicht zu schreiben: "Das Fahrzeug darf in keinem Betriebszustand lauter sein als xy dB" (mit diesem kleinen Passus wäre die ganze Lärmdiskussion vom Tisch).
Natürlich ist es nicht erlaubt, unnötig laut zu fahren (z.B. um Mitternacht im Wohngebiet aggressivst die Gänge bis zum Begrenzer auszudrehen). Aber es ist halt geil, steigert das Testosteron und damit das Selbstgefühl. Und da es die Polizei nicht kontrolliert, macht man (ja, natürlich sind das nur Männer) es halt.
Natürlich würden 10 Handys, montiert an Laternenpfählen und mit einer kleinen App ausgestattet, ganz einfach solche antisozialen Krachtanten dingfest machen können.
Natürlich könnte man sofort alle Auspuffklappen zuschweissen. Nein: Es bräuchte nur ein wenig Soft/Firmware in der Motorelektronik, denn ALLE Auspuffklappen sind elektronisch gesteuert. Damit wären problemlos alle solche Fahrzeuge nachträglich leiser zu machen.
Natürlich wird das nicht gemacht. Die Lobby ist zu gross: Lärmkarren bringen mehr Profit, bringen mehr Prestige am Stammtisch; ihr Verbot wäre ein «Eingriff in die Freiheit».

Gedankenspiel: Ein Autofahrer kann mit dem Gasfuss an der Ampel fette schwarze Russfahnen am Auspuff erzeugen. Er nebelt Mutter, Kind, Hund und Asthmatiker damit ein. Dieses Verhalten würde von einer sehr grossen Mehrheit als asozial eingestuft.
Jetzt dasselbe mit Lärm statt Russ: Kavaliersdelikt. Nur ein paar wenige würden Don Quichote spielen.

Grundsätzlich: Es gibt keine "Licence to noise", also kein Grundrecht, Lärm zu produzieren !
Im Gegenteil: Es gibt das Recht der Allgemeinheit auf möglichst viel Ruhe.

Ein Auto/Töff, das auf 1 km Entfernung deutlich hörbar ist, gehört SOFORT entweder aus dem Verkehr gezogen oder SOFORT umgerüstet auf "Auspuffklappe IMMER GESCHLOSSEN". Fahrzeugfahrer, die nicht so leise wie möglich, sondern so laut wie möglich fahren, gehören verzeigt (es braucht keine Lärmmessung, um nachzuweisen, dass jemand gegen die Verkehrsregeln-Verordnung, Artikel 33 verstösst [Untersagt: hohe Drehzahlen beim Fahren in niedrigen Gängen; zu schnelles Beschleunigen]; da reicht eine einfache Sound-Aufnahme mit dem Handy).

Ich bin für diese strikten Handhaben, weil ich ein Stückweit solche Lärm-Handlungen verstehe: Solche (meist) U28-Männer folgen ihren Urinstinkten und verbreiten Brunft-Gebrüll wie der Hirsch im Wald. Hier wie dort geht es um dieselben Motive: Potenz, Stärke, Verdrängen, Macht. In diesem Alter ist die sozio-kulturelle Entwicklung oft noch nicht so weit, dass man diesen Urinstinkt zu 100% im Griff hat. Wenn dann noch Kumpels im Auto sind, Hirschkühe in Sichtweite oder Frust im Bauch, dann fällte man(n) sehr schnell in die Steinzeit zurück und kitzelt die Auspuffklappe.
Und weil ich das nachvollziehen kann, müssen Auspuffklappen einfach verschwinden oder für immer und ewig verschlossen bleiben. Eine Überlegung wert wäre auch, Leistungsexzesse wie 63-er AMG zu hinterfragen. Mit 50 PS und 15 Sekunden von 0-100 km/h fährt man(n) halt testosteronbedingt «ein wenig» anders als mit 630 PS (ehrlich gesagt sind 120 PS schon viel mehr als genug !).

Also:
Neue Fahrzeuge dürften diese Schalldämpfer-Umgehungs-Einrichtungen gar nicht mehr besitzen.
Im Gesetz müssten griffige Lärmgrenzwerte stehen (... in keinem Betriebsbereich lauter als... ...Kein Schalldämpfer-Bypass...).

Ob das kommt ? Viel Spass im Kampf gegen die Autolobby ! Ich sehe schon die SVP-Plakate: Autofahren nur noch ohne Spass ? Nein zum Verbot der Auspuffklappen !

Vor 30 Jahren war das Thema Lautstärke viel präsenter: Es gab den Werbeslogan «Leise, kraftvoll, Mitsubishi», Töffs unterlagen in CH besonders strengen Geräuschgesetzen. Vor 20 Jahren gab es noch keine Auspuffklappen, die Autos waren tatsächlich leiser als heute.

Kommentar von Manfred S. |

Seit Jahren wird unser Dorf durch teilweise organisierte Motorradrennen mit hochtourigem Lärm beschallt. Unser Dorfplatz wird als Wendeplatz für Motorradfahrer mit Rennambitionen auf der Strecke Dorf - Passhöhe (Benkerjoch Nordseite) missbraucht. Massives abbremsen, Motor im Leerlauf hochdrehen und höllische Beschleunigungen begleiten uns an sonnigen Abenden und an Wochenenden fast durchgängig. An normalen Tagen sind es weit über 100 wiederkehrende Wende- und Beschleunigungsmanöver. Die Verursacher sind durchwegs keine Genuss-Fahrer. Diese absurden Auswüchse sind mit den bestehenden Gesetzen bereits im Wiederspruch. Als beschallter Einwohner zweifle ich an der Durchsetzungskraft und am Willen der Exekutiven (Kapo Fricktal). Die vereinzelten Radarkontrollen und Patrouillenfahrten bringen wenig, wenn die gut organisierten Rennfahrer (sie fahren ja ständig hoch- und runter) sich optimal informieren. Dieses Jahr wurden ergänzende Lärm-Out Plakate, Lärmmessgeräte und Lärmwarntafel auf der Strecke platziert. Wahrnehmbar ohne Wirkung.
Zusammengefasst: Rücksichtslose Menschen mit Höllenmaschinen sind ein Übel.

Aus meiner persönlichen Einschätzung fährt der grösste Teil der Motorradfahrer allerdings im vernünftigen Bereich. Motorräder welche relativ laut sind, jedoch gleichmässig in normalen Drehzahlen vorbeigleiten sind eigentlich kein Problem.
Ist es somit wirklich notwendig, immer mehr zu reglementieren, nur um Uneinsichtige zu zivilisieren?

Aufgrund dem Umstand aus dem ersten Abschnitt unterstütze ich jede Initiative welche eine Normalisierung in Aussicht stellt. Ich unterstütze Lärm.ch eher aus Verzweiflung. Rein aus den leidigen Erfahrungen (rücksichtslose Raser und Polizei ohne erkennbaren Biss) bin ich jedoch nicht überzeugt, dass weitere Gesetzen eine Verbesserung bringt. Wenn die Executive der Legislative so massiv hinterherhinkt werden die Raser auch vor Lärmblitzer nicht zurückschrecken.

Kommentar von Peter Ettler |

@Bernhard Klein:
Ihre Analyse und ihre Forderungen können wir von der Lärmliga Schweiz teilen: Keine Schalldämpfer-Umgehungs-Einrichtungen mehr an neuen Fahrzeugen und griffige Lärmgrenzwerte im Gesetz. Warum fordern wir dann in unserer Petition eine Lärmobergrenze von 81 dB, die in 7,5 m Distanz zum Fahrzeug nicht überschritten werden darf und Lärmblitzer? warum legen wir den Automobilist*innen Verhaltensregeln auf und dafür sorgen dafür, dass ihre Nichtbeachtung einfach sanktioniert werden kann, statt radikal bei den Fahrzeugen anzusetzen? Ganz einfach deshalb, weil unser eigenes Gesetz über die technischen Handelshemmnisse (THG, entstanden als "Fitnessprogramm" nach Ablehnung des EWR, kommt Ihnen da was bekannt vor?) und die bilateralen Verträge mit der EU dem radikalen Ansatz massiv Steine in den Weg legen. Ja, wenn der Bundesrat mutig wäre, könnte er diese Steine wegräumen, weil das THG und die Bilateralen Ausnahmen vom freien Warenverkehr aus Gründen des Gesundheitsschutzes erlauben. Aber unsere Politik ist nicht mutig, schon gar nicht, wenn es um Handelsfragen geht.

Davor haben wir kapituliert und setzen auf sanktionierbare Verhaltensregeln - übrigens genau wie Oesterreich mit seiner 95 dB Standlärmobergrenze für Bikes auf gewissen Passstrassen. Wer auf der Autobahn schneller als 120 km/h fährt, verstösst gegen eine einfache Verhaltensregel, auch wenn sein Fahrzeug für 250 km/h ausgelegt ist. Wer also mehr als 81 dB und/oder Knalltöne produziert soll genau so einfach gebüsst werden können, auch wenn sein Fahrzeug nach Betätigen der Auspuffklappen 103 dB produziert und so ganz legal in Verkehr gesetzt worden ist. Wir wissen, das ist nicht so elegant wie die Radikallösung, aber es ist ein Ausweg aus der Mutlosigkeit, wie die inzwischen von beiden Räten überwiesene Lärmschutzmotion beweist. Damit sind wir aber noch nicht am Ziel, wir bleiben wachsam, wenn der Bundesrat dereinst seine konkreten Vorschläge veröffentlicht und das Parlament diese diskutiert.

@Manfred S.:
Natürlich haben Sie Recht, ein neues Gesetz, d.h. vorliegend die Lärmobergrenze von 81 dB und Führerausweisentzug bei Übertretung zusätzlich zur Busse, muss von den Polizeien auch umgesetzt werden. Und je nach kantonalem Polizeidirektor wird das besser oder schlechter gemacht. Aber aus unseren Kontakten zu kantonalen und lokalen Polizeien wissen wir, dass viele eigentlich gerne gegen den übermässigen Lärm vorgehen würden. Wenn es nur nicht so eine Sisyphus-Arbeit wäre! Der geltende Art. 42 SVG bzw. Art. 33 VRV verbieten vermeidbaren Lärm, definieren aber keine Lärmobergrenze. Darum ist es sehr schwierig für die Polizei, Fahrer zu büssen. Und der Einsatz von Lärmblitzern ist schon gar nicht möglich. Ergeht doch mal eine Busse, wird sie von den Gerichten häufig (nicht immer) aufgehoben nach dem Grundsatz, «im Zweifel für den Angeklagten». Da wird die von uns geforderte Lärmobergrenze Abhilfe schaffen. Damit wird es zwar weiter Lärmexzesse geben, aber es wird doch leiser, vor allem wenn auch noch der Entzug des Führerausweises droht, wenn man erwischt wird.

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