Leiser_Blog

(Kommentare: 0)

Pneus machen Lärm
Werner Kälin, Vorstand Lärmliga

Werner Kälin,
Kommunikationsberater,
Mitglied der Lärmliga

Tribüne zum «Tag gegen Lärm» vom 29.04.2020

Irgendwo zwischen Gaspedal und Lenkrad

Heute ist «Tag gegen Lärm» – mitten in der Pandemie, während der alles schön ruhig ist. Ruhig? Ich erlaube mir einige Gedanken zum Tag und zu einem Thema, worüber latent geschwiegen wird.

Gemäss WHO gehört Lärm zu den grössten Gesundheitsproblemen Europas. Nein, es geht nicht um Kirchen- oder Kuhglocken, auch nicht um Rasenmäher oder Laubbläser. Es geht um Strassenlärm, von in der Schweiz über eine Millionen Menschen betroffen sind. Was heisst betroffen? Neben Stress führt Lärm zum Beispiel zu Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Diabetes – drei Vorerkrankungen, durch die Betroffene zur Covid-19-Risikogruppe zählen. 500 Menschen sterben in der Schweiz jährlich an den Folgen des Lärms. Kinder sind besonders lärmempfindlich.

Keine Spur von Solidarität

Seit einigen Wochen steht Solidarität hoch im Kurs. Aus Solidarität niemanden anstecken, regional einkaufen und den Nachbarn helfen – eigentliche Selbstverständlichkeiten. Sogar Parkgebühren werden aus Solidarität erlassen. Was den Strassenlärm angeht, ist die Grenze der Solidarität schnell erreicht. Sie befindet sich irgendwo zwischen Gaspedal und Lenkrad. Einmal fest im Sitz, ist schnell vergessen, welches Leid der eigene Lärm bei anderen verursacht. Ja, es gibt die Rücksichtsvollen. Solche mit kleinen und leisen Fahrzeugen oder solche, die nur so viel wie nötig fahren. Und ja, es gibt die Rücksichtslosen. Solche mit einem aggressiven Fahrstil oder solche, die aus ihrem Klappenauspuff das Letzte herausholen. Was die Verursacher für sich reklamieren (gehört zu werden), wird den Betroffenen mit Unverständnis, ja sogar mit Hass und Häme versagt, wenn sie sich wehren. Das ist das Gegenteil von Solidarität – das ist ein Totalausfall des Anstands.

Stille Nacht im Fokus

Der «Tag gegen Lärm» widmet sich 2020 der Nacht. Wenigstens nachts sollte es klar sein, im Wohngebiet leise zu fahren – auch den eigenen Nachbarn zuliebe. Leider scheint das zu viel verlangt. Die Polizei hat weder Kapazitäten für Prävention noch Instrumente für Kontrollen. Die Bauämter geben Millionen Steuergelder aus für Flüsterbeläge oder Schallschutzfenster mit begrenzter Wirkung. Dabei ist laut Strassenverkehrsgesetz unnötiger Fahrzeuglärm im Wohngebiet zu vermeiden. Die Lärmverursacher aber haben freie Fahrt. Klappenauspuffe zum Beispiel sind seit 2016 verboten – aber nur, wenn sie nicht vorher typengenehmigt wurden. Im Klartext: Bei den meisten Neufahrzeugen bleiben sie noch jahrelang im Einsatz.

Mehr Lärm für die Ruhe

Vielleicht hilft es, Steuergelder für eine Präventionskampagne auszugeben oder für den einen oder anderen Lärmradar, um die besonders lauten Fahrzeuge aus dem Verkehr zu ziehen. Hoffentlich aber gelingt es, dass Solidarität und Anstand auf den Schweizer Strassen einkehren. Anstand heisst auch, den Strassenlärm nicht totzuschweigen. Bei der Aufklärung  spielen, nebst den Behörden, die Autohändler, Garagisten und Motorfahrzeugverbände eine zentrale Rolle.

Diskutieren Sie mit? Was meinen Sie zu unserem Blogbeitrag? Was bedeutet für Sie Solidarität auf der Strasse?

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Einen Kommentar schreiben

Was ist die Summe aus 3 und 7?