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Pneus machen Lärm
Dr. iur. Peter Ettler, Rechtsanwalt, Präsident Lärmliga

Dr. iur. Peter Ettler,
Rechtsanwalt,
Präsident Lärmliga

Dinosaurier sterben laut

Technologischer Wandel und leisere Schweiz – Ein Ausblick zu Beginn von 2020

Die Automobilindustrie befindet sich global in der Krise. Elektromobilität kommt in Fahrt. Die Verbrennungsmotoren stottern. Der Ölrausch, dem sich die Schweiz während rund 70 Jahren hingegeben hat, kippt in den Kater. Wir sind Zeugen eines neuen Dinosauriersterbens. Nach Modellen trifft es die Tyrannosaurus Rex unserer Strassen genauso so wie ihre ärmeren Verwandten.

Transformationsprozess in vollem Gang

Der Wandel, befeuert durch die IT und den Klimawandel, verläuft atemberaubend schnell. Neue Player wie Tesla kommen auf den Markt. Die alten führen auch Elektrofahrzeuge ein und versuchen, mit ihren Öl fressenden Modellen möglichst lange Profit abzuschöpfen. So wollen sie den Wandel überleben. Eines ist sicher, in 30 Jahren ist der ganze stolze Mobilitätssektor total umgepflügt, so wie die Autos seinerzeit die Kutschen wegpflügten.

Chancen für eine leisere Schweiz?

Transformationsprozesse sind Chancen. Es braucht aber Leute, die sie erkennen, ergreifen und gestalten. Leute wie du, Aktivist*in der Lärmliga, die die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Gesundheitsschädlichkeit von Lärm weitertragen und daraus beharrlich ihre Forderungen ableiten, wie:

  • Neue smarte Mobilität. Der Elektroantrieb macht ein Fahrzeug nicht per se umweltfreundlich. Der zwei Tonnen schwere Tesla mit seinen überbreiten Reifen ist ab 30 km/h genau so laut wie ein normaler SUV mit Verbrennungsmotor. Auch energetisch ist es nicht nachhaltig, in der Regel 1, ausnahmsweise 2-4 Personen damit zu transportieren. Der neue Standard heisst BMW i3 und Renault Zoe bis kleiner und leichter. Diese Fahrzeuge brauchen wenig Energie und sind mit schmalen Reifen leise. Noch besser aber ist die Substitution des motorisierten Individualverkehrs durch ÖV und Langsamverkehr.

  • Automatisiertes Fahren und neue Formen von Carsharing durch smartes Pooling, intelligente Sammeltransporte für Passagiere aber auch für Güter, insbesondere auf den letzten Kilometern. Dafür braucht es aber Anreize, sonst drohen Verkehrszunahmen wie bisher.

  • Verkehrsabnahme zwecks Lärmverminderung. Das entstresst unsere Städte, Dörfer und Agglomerationen und macht sie zu Begegnungs- und Lebensräumen. Das Bedürfnis nach Fluchtverkehr, sei es in die Berge oder in die Karibik, vermindert sich. Lärm und Energiebedarf sinken.

Synergien mit der Klimabewegung

In allen diesen Fällen laufen die Interessen von Lärm-, Klima- und Ressourcen-Bewegten parallel. Daher streben wir punktuell die Zusammenarbeit an. Das eröffnet uns die Chance, unsere Vision einer leiseren Schweiz in die politischen Diskussionen und Projekte, die die Klimabewegung in Gang setzt, miteinzubringen.

In unserem eigenen Gärtchen bleibt darüber hinaus jede Menge zu tun. Denn vorläufig sind die Dinosaurier lauter als je: SUVs und Pseudosportwagen röhren noch immer. Zwar ist es schön zu wissen, dass das ihr Abgesang ist. Wenn wir aber jetzt nicht handeln, dröhnt der noch viel zu lange.

Diskutieren Sie mit? Was meinen Sie zu unserem Blogbeitrag? Was denken Sie über smarte Mobilität und das neue Dinosauriersterben?

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Kommentar von Arlette Minder-Utzinger |

Ueber Ostern und an den darauffolgenden Tagen
war bei uns der Motorradlärm so hoch, wie schon lange nicht mehr. Alle, die nicht ins Tessin fahren konnten,sind u.a. auf der Kantonsstrasse durch Bennwil durchgesaust und haben sich sogar Rennen geboten. Dabei war die Aufforderung: Bleiben sie zu Hause mehr als aktuell. Wir mussten mit dem Velo fliehen von unserem zu Hause in eine ruhigere Gegend. Unterwegs habe ich eine Gruppe Motorradfahrer, die eine Pause eingelegt hatten, gefragt, ob es ihnen eigentlich bewusst sei, wie viel Leid sie durch ihre Fahrzeuge verursachen würden.... Die Antwort war "Nein". Nach einem kurzen Wortwechsel wurde mir dann mitgeteilt, dass sie ja nichts dafür könnten, dass ich an einer lärmigen Strasse wohnen würde.......
Das ist doch der Wahnsinn!!! Und das wird alles von der Politik geduldet. Man spricht lieber 10 Stunden am Tag über das Tragen von Masken, was sowieso niemand mehr hören kann.....
Ausserdem hat die Polizei scheinbar plötzlich genug Ressourcen um überall Kontrollen bezüglich der Corona Richtlinien zu tätigen. Wenn man aber fragt, ob sie vielleicht einmal einen Streifenwagen an die Kantonsstrasse stellen würden, einfach mal zur Abschreckung der Raser, heisst es immer, es seien keine Ressourcen vorhanden.
Gottseidank regnet es endlich, dann bleiben diese "Heuler" für eine Weile in der Garage!
Verrückte Welt!

Kommentar von Peter Ettler |

Seit dem Corona-Lockdown haben wir eine neue Situation: In den Städten und Agglomerationen ist es markant leiser - aber an Renn- und Raserstrecken überall im Land ist es teilweise sogar lauter. Und die Polizei schaut weg - wie meistens, wenn es um Verkehrslärm geht. Wenige Lärm- und Tempobolzer terrorisieren ganze Landstriche. Drum fordern wir zum heutigen Tag gegen Lärm: Autos und Töffs, die in irgend einem Betriebszustand mehr als 81 dB produzieren, müssen nachts, an Wochenenden und Feiertagen zu Hause bleiben bzw. aus dem Verkehr gezogen werden. Es gibt kein Recht auf Lärm. Der Schutz der Gesundheit der Anwohnenden von Strassen geht vor!

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